Theaterscouts

Das Leopoldinum ist seit dem Schuljahr 2011/2012 mit dem Landestheater Detmold eine Schulpartnerschaft eingegangen.

Sieben Theaterscouts stehen in regelmäßigem Kontakt zu den Theaterpädagogen des Landestheaters. Ihre Aufgaben sind es die SchülerInnnen über das Programm zu informieren, Theaterkarten für sie zu organisieren und zwischen Leopoldinum und Theater zu vermitteln. Das Ziel ist es SchülerInnen für das Erlebnis Theater zu begeistern.

Unter dem Motto „Sieben auf einen Streich“ können Gruppen ab sieben Personen, welche sowohl Lehrer- als auch Schülergruppen, sowie gemischte Gruppen sein können, Vorstellungen des Musiktheaters, des Schauspiels und des Balletts zum Preis von nur sieben Euro pro Karte besuchen. Ausgeschlossen sind Gastspiele und Vorstellungen an Feiertagen. Die Plätze können hierbei auch für die besten Plätze im Parkett sein, vorausgesetzt sie sind verfügbar.

Um das Angebot nutzen zu können wird ein Stück im Programm des Landestheaters ausgewählt oder eines der besonderen Angebote der Theaterscouts genutzt. Darauf findet man sich zu Gruppen ab sieben Personen zusammen und meldet sich bei den Theaterscouts an. Wenn Interesse besteht, aber noch weitere Personen fehlen, wendet man sich ebenfalls an die Scouts und es wird vermittelt.

Bei Fragen oder Anregungen zu der Kooperation bitte eine E-Mail an theaterscouts-leopoldinum@gmx.de.

Bei Fragen zum Programm oder zum Theater besuchen sie die Seite des Landestheaters Detmold:

http://www.landestheater-detmold.de/

Rezension zu dem Stück : Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre

(Huis clos de J.-P. Sartre)

 

"Die Hölle sind die Anderen"
von Torben Seehrich


 
Drei einander zunächst völlig Unbekannte treffen in einem Raum mit nichts als den Kleidern, die sie am Leibe tragen ausgestattet zusammen. Sie sind in einer Welt gelandet, in der die Zeit keine Rolle mehr spielt, in der sie ohne Pause oder Rückzugsmöglichkeit der taghellen Beleuchtung und der bedrückenden Enge ihres Kerkers – und den bohrenden Fragen der jeweils anderen ausgeliefert sind.
 
Unfähig, einander lange anzuschweigen, können die drei Protagonisten – Henry Klinder als der Schriftsteller Garcin, der desertierte, um eine pazifistische Zeitung zu gründen, Kerstin Klinder als die lesbische und männerfeindliche Postangestellte Inés und Gaby Blum als die schrullige Witwe Estelle – nicht anders, als einander ohne Unterlass mit bohrenden Fragen nach der Essenz ihres Daseins zu quälen, und den jeweils anderen und sich selbst immer mehr der Verfehlungen und Schwächen ihres Lebens einzugestehen. Dabei stellen sie fest, dass die Hölle keinen Folterknecht braucht, dass wahre Qualen nicht körperlich, sondern psychisch wirken: "Die Hölle sind die Anderen".
 
Entsprechend der Zeitlosigkeit, in der sich die Charaktere nach ihrem Tod auffinden, wirkt das einaktige Stück durch die ständige Anwesenheit aller drei Hauptcharaktere sehr statisch, einzig der Kellner, gespielt von Recardo Koppe, taucht nur zu Beginn drei mal auf, um die Protagonisten nacheinander in ihr neues Heim für die Ewigkeit einzuführen, und sie dort einander zu überlassen.
 
Das in Kooperation mit der Hochschule RheinMain, Studiengang Innenarchitektur geschaffene Bühnenbild zeigt eine futuristische, steril-technisierte Welt, jedoch ohne die abgerundeten, sanften, klaren Formen, wie sie wohl jeder aus Science-Fiction-Filmen kennt: Der Raum, in welchem das Geschehen vor dem Betrachter ausgebreitet wird, wird von einer an Gefängnisgitter erinnernden Stahlkonstruktion eingerahmt, in welcher hier und da unbeweglich kleine, alte Röhrenmonitore eingelassen sind, die dann und wann aufblitzen. Überall liegen dicke Kabel verteilt, ein Strang mehrerer dieser Kabel hängt von der Decke herab, als solle er die Insassen daran erinnern, dass sie sich, nachdem sie bereits tot sind, auch nicht durch Selbstmord vor der unerträglichen Situation retten können.
 
Dies alles, illustriert durch die grelle Beleuchtung der Szenerie, erzeugt ein Gefühl unerträglicher Statik. Am Ende des Stückes kann der Zuschauer deutlich spüren, dass sich nichts verändert hat, seit die Charaktere in ihren gemeinsamen Kerker geworfen wurden, abgesehen vielleicht davon, dass die Situation für alle etwas klarer sein mag. Doch spürt man ebenso deutlich, dass für die Charaktere mit der Bewusstheit der eigenen Situation aber keineswegs eine Gewöhnung an diese einhergeht. Ebenso, dass diese Gewöhnung oder gar eine Besserung wohl nie eintreten wird.
 
Unter diesen Bedingungen erscheinen auch Garcons letzte Worte am Ende des Stückes, "also – machen wir weiter", eher als Ausdruck verzweifelter Schicksalsergebenheit, denn als tatsächliche Aufforderung, die Situation der drei Gestrandeten produktiv aufzuarbeiten.
 
Wer ein Schauspiel voller Aktion, dramatischer Ereignisse oder Freude sehen will, wird von Sartres Dystopie sicher enttäuscht sein. Stattdessen offenbart sie einen detaillierten Einblick in die Schattenseiten des menschlichen Daseins, in die Unerfüllbarkeit des allen Menschen eigenen Bedürfnisses nach Anerkennung und in die Unfreiheit, die mit jedem Versuch, dieses Bedürfnis zu befriedigen, verbunden ist.
 
Esther Muschols Inszenierung übermittelt diese Botschaft subtil auf emotionaler Ebene, und doch mit einer philosophischen Schärfe, die dem zeitlosen Stoff ganz und gar gerecht wird. Auf diese Weise wird dessen Potenzial in Verbindung mit den guten Leistungen aller Schauspieler voll ausgeschöpft.
 
Wenn auch das Gefühl, dass sich die Handlung im Verlauf des Stückes eigentlich überhaupt nicht bewegt hat, den Zuschauer mit etwas Verwunderung nach Hause gehen lässt, so ist "Geschlossene Gesellschaft" für thematisch interessierte doch eine große Bereicherung.